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URSACHEN DER ZWANGSERKRANKUNG |
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Es gibt nicht
"die
eine"
Ursache
für
Zwänge...
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Es gibt nicht "die eine" Ursache für Zwänge. Es müssen
verschiedene Faktoren zusammenkommen, die erst in ihrer Kombination entscheiden,
ob ein Mensch eine Zwangsstörung entwickelt oder nicht.
Man weiß heute, dass die Zwangsstörung eine neurobiologische
Grundlage hat. Darüber hinaus sind weitere Faktoren wichtig bei der
Entstehung von Zwängen. Dazu gehören unter anderem die Art und
Weise, wie man plötzlich auftretende unangenehme Gedanken bewertet,
welche Rolle Verantwortungsgefühl für eine Person spielt und
welche Werte, Normen und Einstellungen eine Person erworben hat. Ein Teil
der Betroffenen erinnert sich außerdem an ein bestimmtes belastendes
Ereignis oder eine schwierige Lebensphase (z. B. Pubertät), in der
die Zwänge begonnen haben.
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Neurobiologische Grundlage
Verschiedene Forschergruppen haben mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomografie,
einer Methode zur Untersuchung des Stoffwechsels im Gehirn, festgestellt,
dass Zwangspatienten in einem bestimmten Teil des Gehirns ein anderes
Aktivitätsmuster (in Form einer Überaktivität) aufweisen
als Personen, die unter einer anderen psychischen Störung oder unter
keiner psychischen Störung leiden. Diese Überaktivität
kann man sich bildlich als "mentalen Schluckauf" vorstellen
oder in Form eines "Lautstärkereglers für unangenehme Gedanken",
der bei Zwangspatienten deutlich lauter eingestellt ist, als bei Personen
ohne Zwang.
Alles deutet darauf hin, dass diese Überaktivität, die sich
in Zwängen äußert, infolge eines "Kommunikationsproblems"
zwischen den vorderen Gehirnbereichen (Frontalhirn) und tieferen Gehirnstrukturen
(den Basalganglien) entsteht. Diese Gehirnbereiche verwenden als chemischen
Botenstoff für ihre Kommunikation unter anderem Serotonin. Eine der
neurobiologischen Theorien zur Entstehung von Zwängen geht davon
aus, dass bei Zwangspatienten zu wenig von dem Botenstoff Serotonin vorliegt.
Diese Theorie wird u. a. dadurch unterstützt, dass Medikamente, die
die Konzentration von Serotonin erhöhen, häufig erfolgreich
in der Therapie von Zwängen eingesetzt werden.
Diese veränderte Gehirnaktivität kann jedoch durch kognitive
Verhaltenstherapie wieder sichtbar in Richtung der normalen Aktivität
beeinflusst werden.
Werden Zwänge vererbt?
Bisher konnte kein bestimmtes Gen oder ein Zusammenwirken verschiedener
Gene identifiziert werden, das für die Entstehung von Zwängen
verantwortlich ist. Dennoch spielt die Vererbung in bestimmten Fällen
eine Rolle. Denn immer wieder berichten Patienten, dass der Zwang sozusagen
"in der Familie liegt", dass also Blutsverwandte auch unter
Zwängen oder ähnlichen Störungen (z. B. Tics) leiden. Dabei
werden nicht die spezifischen Zwangshandlungen und –gedanken vererbt,
sondern die Neigung, Zwänge zu entwickeln.
Psychologische Erklärungsmodelle für Zwänge
Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass 90 % der Bevölkerung
gelegentlich unsinnige plötzliche Gedanken hat, die denen von Zwangspatienten
gleichen. Allerdings reagieren Zwangspatienten anders auf diese plötzlichen
Gedanken. Zu einem gewissen Teil sind die oben beschriebenen neurobiologischen
Grundlagen verantwortlich dafür, dass Zwangspatienten anders auf
diese unsinnigen Gedanken reagieren. Bei Zwangspatienten ist im übertragenen
Sinne der 'Lautstärkeregler' für solche Gedanken in Gehirn zu
stark aufgedreht.
Aber nicht nur die 'Lautstärke', also die Aufdringlichkeit der Gedanken,
sondern auch die Bedeutung, die die Person dem Gedanken beimisst, spielt
eine wesentliche Rolle bei der Entstehung und Chronifizierung von Zwängen.
Denn ob aus einem unsinnigen Gedanken ein Zwangsgedanke wird, hängt
entscheidend davon ab, in welcher Art und Weise die Person den Gedanken
bewertet.
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Schematisch kann man sich die Entstehung eines Zwangs wie folgt vorstellen:

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Bei der Bewertung eines zufälligen, aufdringlichen Gedankens, die
darüber entscheidet welche Bedeutung der Gedanke bekommt, können
unterschiedliche "gedankliche Fehler" gemacht werden, die zu
starken unangenehmen Gefühlen, wie z. B. Angst, Anspannung oder Ekel
führen. Solche für Zwangspatienten typischen gedanklichen Fehlschlüsse
sind u.a. folgende:
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Fehleinschätzung der Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses.
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100 % Sicherheit bezüglich der Verhinderung des Eintretens
der Befürchtungen (ein noch so kleines Restrisiko kann nicht
toleriert werden).
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Fehleinschätzung der Konsequenzen eines Ereignisses häufig
im Sinne von katastrophisierendem Denken.
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Fehleinschätzung der eigenen Verantwortlichkeit.
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Überbewertung der Macht der eigenen Gedanken: z. B.
"Wenn ich so etwas denke, dann tue ich es auch / dann passiert
es auch" oder "So etwas zu denken ist genauso schlimm,
wie es zu tun" oder "Wenn ich so etwas denke, dann will
ich auch, dass es passiert".
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Gefühle werden als nicht ertragbar eingeschätzt.
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Mehr Vertrauen in den Zweifel als in das eigene Gedächtnis.
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Neben den gedanklichen Fehlschlüssen spielen natürlich auch
Werte und Normen der Person und bestimmte Persönlichkeitseigenschaften,
z. B. eine besondere Sensibilität, eine wichtige Rolle für die
Bewertung der aufdringlichen Gedanken.
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...ein Teufelskreis
von Gedanken
und Gefühlen...
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Wie ein Zwangsgedanke entsteht
Ein Zwangsgedanke entsteht nun, wenn die gedanklichen Fehlschlüsse,
Werte, Normen oder Eigenschaften der Person dazu führen, dass der
aufdringliche Gedanke als gefährlich eingeschätzt wird. Die
Bewertung als "gefährlich" löst Angst oder andere
unangenehme Gefühle aus, was verständlicherweise dazu führt,
dass Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die durch die Bewertung ausgelösten
Gefühle und die Gegenmaßnahmen, die die Person unternimmt,
erhöhen die "Gefährlichkeit" des aufdringlichen Gedankens
nach einem einfachen Prinzip: Je unangenehmer die Gefühle sind, die
ein Gedanke auslöst und je mehr Gegenmaßnahmen durchgeführt
werden, desto mehr Bedeutung misst die Person dem Gedanken bei. Wird die
Bedeutung des aufdringlichen Gedankens dramatischer, kann dieser nicht
mehr einfach vorüberziehen, wie bei den meisten Menschen. Die Person
beschäftigt sich immer mehr mit dem Gedanken, der Gedanke wird für
die Person immer wichtiger und deshalb immer häufiger auftreten.
Der Betroffene befindet sich in einem Teufelskreis. (Siehe
Grafik).
Wie Zwänge aufrechterhalten werden
Ein Beispiel dafür, wie durch Gegenmaßnahmen der Patienten
Zwänge verstärkt werden, ist der Versuch des sogenannten 'Gedankenstopp'.
Eine häufige Strategie, die Patienten einsetzen, um mit bedrohlichen
Gedanken umzugehen, ist der Versuch, den Gedanken abzubrechen oder nicht
zu denken. Dieser bewusste Versuch Gedanken zu unterdrücken bzw.
zu stoppen, führt jedoch zu dem paradoxen Effekt, dass gerade diese
Gedanken immer wieder ins Bewusstsein drängen. Man bekommt den Eindruck,
die Kontrolle über seine Gedanken immer mehr zu verlieren, was die
Bedrohlichkeit und damit die Aufmerksamkeit auf diesen Gedanken erhöht.
Der Zwangsgedanke wird infolge dessen noch häufiger auftreten.
Auch alle anderen Gegenmaßnahmen, wie z. B. Waschen, Kontrollieren
und Neutralisieren, erhöhen die subjektive Bedrohlichkeit und Wichtigkeit
des aufdringlichen Gedankens. Die damit verbundenen negativen Gefühle
und Bewertungen werden stärker, so dass stärkere Gegenmaßnahmen
notwendig werden – der Teufelskreis schließt sich.
Je häufiger der Patient den Teufelskreis aus Gedanken, Bewertung
und Gegenmaßnahmen durchläuft, desto stärker wird der
Zwang.
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© CDK CHRISTOPH-DORNIER-KLINIK GmbH, 2009
Tibusstrasse 7- 11, 48143 Münster, Telefon: 0251 48 10-0
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