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MERKMALE DER ZWANGSSTÖRUNG |
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Prinzipiell kann jedes
Thema zum Inhalt
von
Zwangsgedanken
werden...
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Prinzipiell können alle möglichen Themen zum Inhalt von Zwangsgedanken
oder –handlungen werden. In der Regel bestimmen jedoch solche Themen
den Zwang, die für den Betreffenden eine hohe Wichtigkeit haben.
Tritt bezüglich eines persönlich bedeutsamen Themas ein abstoßender
Gedanke auf, wird dieser unannehmbarer sein und stärkere unangenehme
Gefühle (Angst, Ekel, Anspannung) auslösen, als ein Gedanke,
dessen Thematik weniger wichtiger ist.
So können auch scheinbar paradoxe Fälle erklärt werden:
z. B. eine fürsorgliche Mutter, die in Gedanken ihr Kind verletzt,
ein sehr gläubiger Mensch, der blasphemische Gedanken hat oder ein
Pazifist, der gewalttätige Impulse befürchtet. Auch sehr private
Themen wie z. B. Sexualität oder Körperausscheidungen werden
häufig zum Inhalt von Zwängen.
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Themen der Zwänge
Im folgenden sind die typischsten Formen der Zwangserkrankung kurz beschrieben:
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Wasch- und Putzzwänge
Die Betroffenen müssen sich übertrieben häufig oder
lange waschen oder Gegenstände reinigen. Dabei kann es zum
einen vorkommen, dass das Waschen nach einem ganz speziellen, vom
Zwang bestimmten, System zu erfolgen hat. Zum anderen kann es sein,
dass die Person sich oder die Gegenstände so lange waschen
muss, bis es sich gerade richtig anfühlt.
Diesen Waschritualen liegt häufig eine starke Angst vor Verunreinigung
durch Schmutz oder Ansteckung mit Keimen zugrunde.
Dabei kann die Befürchtung im Vordergrund stehen, man selbst
könnte verunreinigt sein oder an einer schlimmen Krankheit
erkranken, oder aber man ist schuld daran, dass sich jemand anderes
(z. B. Partner, Kinder oder auch Fremde) verunreinigt bzw. infiziert.
Auch ein starkes Ekelgefühl ohne konkrete Infektionsangst und
die Befürchtung dieses Gefühl nicht ertragen zu können,
kann zu zwanghaftem Waschen und Putzen führen.
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Kontrollzwänge
Leidet jemand unter Kontrollzwängen, so muss dieser bestimmte
Handlungen übertrieben häufig überprüfen. Dabei
kann es sich z. B. um das Verschließen der Haustür, das
Ausschalten von Elektrogeräten oder Licht handeln. Den wiederholten
Kontrollhandlungen liegt in der Regel die Angst zugrunde, durch
eigene Nachlässigkeit sich selbst, seinen Besitz (z. B. Wohnung
oder PKW) oder andere Personen zu gefährden. Deshalb kann ein
Kontrollzwang z. B. auch darin bestehen, den Weg zur Arbeit immer
wieder abfahren zu müssen, um sicherzustellen, dass man niemanden
mit dem Auto angefahren hat, oder bestimmte Wege immer wieder abzulaufen
und "potentiell gefährliche" Dinge wie z. B. Glasscherben
zu entfernen. Häufig ist außerdem die Angst, aggressiv
gegenüber den eigenen Kindern, dem Partner oder Fremden zu
reagieren und diese zu beleidigen oder zu verletzen, ohne es eigentlich
zu wollen.
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Wiederholungszwänge, Zählzwänge,
Gedankenketten
Wiederholungs- und Zählzwänge gehen in der Regel
mit einer Art "magischem Denken" einher. Damit eine schlimme
Befürchtung nicht eintritt, werden im Falle von Wiederholungszwängen
Bewegungen oder Tätigkeiten entweder nach einer bestimmten
Regel oder so lange bis es sich "richtig anfühlt",
wiederholt. So kann es sein, dass ein Betroffener den starken Drang
hat, Lichtschalter dreimal zu berühren, um zu verhindern, dass
seine Mutter schwer erkrankt. Genauso kann es vorkommen, dass eine
Tätigkeit, während derer dem Betroffenen ein gefürchteter
Gedanke in den Sinn kam, so lange wiederholt werden muss, bis sie
ohne den Gedanken ausgeführt wurde. Dabei kann im Grunde jede
Tätigkeit, auch das Denken von bestimmten Gedanken, zum Inhalt
von Wiederholungszwängen werden. Auch Zählzwänge
können sich auf jedes beliebige zählbare Objekt beziehen.
Dabei kann der Betroffene z. B. den Drang haben, eine bestimmte
Anzahl der Objekte zu zählen (z. B. genau 5 Fenster in der
Hauswand) oder aber alle Objekte zu zählen.
Eine weitere Form von zwanghaften Gedanken besteht darin, dass der
Betroffene den Drang hat, bestimmte Worte, Wortketten oder Sätze
zu denken oder auszusprechen, um z. B. das Eintreten eines Unheils
zu verhindern. Auch bestimmte Rechenaufgaben oder das Denken von
Zahlenreihen kann in diesem Zusammenhang zum Zwang werden.
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Ordnungszwänge
Ordnungszwänge sind mit dem Drang verknüpft, eine extreme
Symmetrie oder Genauigkeit bei persönlichen Dingen herzustellen;
sie gehen weit über eine angemessene Ordentlichkeit hinaus.
Am häufigsten werden Gebrauchsgegenstände, Möbel,
Wohnaccessoires und Kleidungsstücke zum Thema des Ordnungszwangs.
Die Betreffenden erleben eine massive Unruhe, wenn die Symmetrie
gestört wird und befürchten, von diesem unangenehmen Gefühl
überwältigt zu werden, so dass die zwanghafte Ordnung
so bald wie möglich wiederhergestellt werden muss.
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Zwanghaftes Horten oder Sammeln
Das Wegwerfen von allem, was mit der eigenen Person zu tun hat,
z. B. Parkscheine, die Werbung aus dem Briefkasten bis hin zum eigenen
Hausmüll, kann beim zwanghaften Horten unmöglich werden.
Häufig wird das Wegwerfen durch die Angst erschwert, dass Informationen
verloren gehen, die in der Zukunft einmal wichtig werden könnten.
Aber allein die Tatsache, dass Dinge, die mit der eigenen Person
verknüpft sind weggeworfen werden sollen, kann Angst auslösen
und zum zwanghaften Horten führen.
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Zwanghafte Langsamkeit
Zwanghafte Langsamkeit ist eine seltene Form der Zwangserkrankung
und äußert sich darin, dass die Betroffenen extrem lange
für alltägliche Tätigkeiten (z. B. Körperpflege)
brauchen. Die Betroffenen verspüren den Drang, alle Aktivitäten
absolut exakt und sorgfältig ausführen zu müssen.
Dies führt zu starker Verlangsamung aber auch häufig dazu,
dass alle Handlungen vorher detailliert im Kopf durchgespielt werden.
Nicht selten wird dann nach jedem Handgriff innegehalten, um die
Richtigkeit und Genauigkeit der Handlung zu überdenken.
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Je länger eine
Zwangserkrankung
andauert...
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Weitere charakteristische Merkmale für die Zwangserkrankung sind:
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Schwindende Sicherheit
Je länger eine Zwangserkrankung andauert, desto weniger wirksam
sind häufig die Handlungen oder Gedanken, die der Betroffene
einsetzt, um die aufdringlichen Gedanken loszuwerden. So kann z.
B. zunächst ein kurzes Waschritual ausreichen, um eine Person
mit Angst vor Infektion oder Verschmutzung zu beruhigen. Dauert
die Zwangserkrankung an, so kann es vorkommen, dass der Betroffene
sich immer länger und häufiger waschen muss, um dieselbe
Beruhigung zu erreichen. Diese Unsicherheit kann so weit ansteigen,
dass schließlich nur sehr kurzfristige oder keine Beruhigung
mehr durch die Zwangsrituale erreichbar ist. Dies gilt auch für
Kontrollzwänge und alle anderen Zwangsrituale.
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Einsicht und Widerstand
Menschen mit Zwängen können in unterschiedlichem Maße
Einsicht in die Übertriebenheit oder Sinnlosigkeit ihres Verhaltens
oder ihrer Gedanken zeigen. In Augenblicken, in denen der Zwang
nicht gerade akut ist, gelingt eine solche Einsicht in den meisten
Fällen. Ist der Betroffene jedoch gerade gefangen in Zwangshandlungen
und -gedanken, ist diese Einsicht in der Regel nicht vorhanden.
Im Gegenteil: die Person ist überzeugt von der Richtigkeit
des Verhaltens bzw. der Gedanken.
Die meisten Betroffenen kämpfen gegen die Zwänge an und
versuchen so gut es geht, die unangenehmen Gedanken und Impulse
aus ihrem Leben zu verbannen. Vielen gelingt es sogar, die Zwangshandlungen
für viele Stunden, z. B. während der Arbeitszeit, zu unterdrücken.
In der Regel führt dies jedoch nicht zu einem Rückgang
der Symptomatik, sondern die Zwangsrituale müssen, wenn die
Unterdrückung nicht mehr nötig oder möglich ist,
umso stärker oder häufiger ausgeführt werden.
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Scham und Geheimhaltung
Die Betroffenen schämen sich in der Regel wegen ihrer Zwänge
und versuchen deshalb, ihre Zwangsrituale in der Öffentlichkeit
möglichst unauffällig auszuführen. Häufig sind
die Betroffenen sehr erfolgreich darin, die Zwänge vor Arbeitskollegen,
Freunden und sogar Familienangehörigen oder Partnern zu verbergen.
Dieser verständliche Versuch der Geheimhaltung kann im ungünstigen
Fall dazu führen, dass keine Behandlung aufgenommen und das
eigene Leben, und oft auch das der Angehörigen, um die Zwänge
herum organisiert wird.
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Wechsel der Symptomatik
In vielen Fällen beschränkt sich die Zwangserkrankung
nicht auf eine ihrer Erscheinungsformen, sondern mehrere unterschiedliche
Zwänge treten gemeinsam auf. Dabei können bestimmte Zwänge
im Hintergrund stehen und kaum störend wirken, wohingegen andere
das Leben massiv beeinträchtigen.
Immer wieder berichten Betroffene auch, dass sich verschiedene Formen
der Zwangserkrankung abwechseln. So kann z. B. ein Waschzwang von
Kontrollritualen abgelöst werden und diese sich wiederum mit
Gedankenzwängen abwechseln. Außerdem machen viele Patienten
die frustrierende Erfahrung, dass sich kaum nachdem ein Zwangssymptom
erfolgreich bekämpft wurde, ein anderes, neues zeigt.
Dieses Wechseln der Zwangsform ist ein typisches und häufiges
Merkmal der Zwangserkrankung.

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Verschiedene
Formen des
Zwanges können
sich abwechseln...
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Zwang bei Kindern
Die Mehrheit erwachsener Zwangspatienten berichtet, dass ihre Zwänge
schon in der Kindheit oder Jugend begonnen haben. Zwänge können
dabei so einengend sein, dass betroffene Kinder und Jugendliche wichtige
Entwicklungsschritte nicht in der gleichen Art und Weise bewältigen
können wie gesunde Altersgenossen. Viele Lernerfahrungen, z. B. im
Bereich Sozialkontakte oder erste Sexualität bleiben den Betroffenen
deswegen vorenthalten, was zu Anpassungsschwierigkeiten und weiteren psychischen
Problemen führen kann.
Aus diesem Grund ist das frühe Erkennen und Behandeln einer Zwangsstörung
für die seelische Gesundheit, aber auch für eine normale Entwicklung
des Kindes von großer Wichtigkeit.
Kinder und Jugendliche erleben Zwänge ganz ähnlich wie Erwachsene,
drücken dies jedoch häufig anders aus. So kann es z. B. zu Wutausbrüchen
kommen, die auf den ersten Blick nicht unbedingt etwas mit der Zwangsthematik
zu tun haben. Außerdem ist Einsicht in die Unsinnigkeit des Zwangsverhaltens
bei Kindern meist nicht gegeben.
Die Behandlung des Zwangs bei Kindern erfolgt mit ähnlichen Methoden
wie bei Erwachsenen, die an Alter und Entwicklungsstand des Kindes angepasst
werden. Hinzu kommen spezifische Methoden aus der Kinder- und Jugendpsychotherapie.
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© CDK CHRISTOPH-DORNIER-KLINIK GmbH, 2011
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