CHRISTOPH-DORNIER-KLINIK FÜR PSYCHOTHERAPIE
 


VERLAUF DER ALKOHOLABHÄNGIGKEIT
Trinkkultur  |  Verlauf |   Alkohol als Folgeerkrankung |  Angehörige | 
Wie wirkt Alkohol  |  Folgeschäden


Unterschiedliche

Umgangsformen

mit Alkohol, bis hin

zu ”Wetttrinken”

sind weit verbreitet...




 

Trinkkultur spielt große Rolle
Betrachtet man den durchschnittlichen Alkoholkonsum in unserer Gesellschaft, wird deutlich, wie fließend die Grenze zwischen ”normalem” und ”problematischem” Alkoholkonsum ist. In Deutschland werden pro Kopf pro Jahr 10,7 Liter reiner Alkohol konsumiert. Das sind etwa 131 Liter Bier, 23 Liter Wein bzw. Sekt und 6 Liter Schnaps. Lediglich 5-10% aller Erwachsenen trinken gar keinen Alkohol.

Erschwerend kommt hinzu, dass in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern keine klaren Regeln über den Umgang mit Alkohol bestehen. Erlaubt ist, was gefällt, solange keine erkennbaren Probleme auftreten. So sind unterschiedliche Umgangsformen mit Alkohol, bis hin zu ”Wetttrinken” oder wiederholten Räuschen weit verbreitet.
Im Gegensatz dazu gibt es in anderen Kulturen klare gesellschaftliche Regeln für den Alkoholkonsum. Hier sind zum einen Abstinenzkulturen (v.a. islamische Länder) zu nennen, wo jeglicher Alkoholkonsum verboten ist und z. T. unter Strafe gestellt wird. Zum anderen existieren sogenannte Trinkkulturen, in denen Alkohol zum täglichen Leben gehört (viele südeuropäische Länder), allerdings klare Grenzen bestehen. So ist z. B. ein Trinken bis zum Rausch in diesen Ländern unüblich und wird auch schnell gesellschaftlich bestraft. Hierzulande ist man oft einerseits ”kein richtiger Mann”, wenn man nicht mittrinkt und andererseits aber ”willensschwach” und ”selbst schuld”, wenn der Alkoholkonsum problematisch wird.

 
Kein einheitlicher Verlauf

Alkoholabhängigkeit stellt in den westlichen Industrieländern eine der häufigsten psychischen Störungen dar. Ungefähr 8% der Erwachsenen weisen irgendwann in ihrem Leben die Kriterien einer Alkoholabhängigkeit auf, einen gefährlichen Alkoholkonsum zeigen 15,2% der Männer und 8,4% der Frauen. Insgesamt sterben jährlich 70.000 Menschen in Deutschland an den Folgen ihres Alkoholkonsums. Anders herum heißt das, dass Alkoholabhängige im Gegensatz zu gesunden Personen ein vier bis acht mal so hohes Sterblichkeitsrisiko haben. Allerdings führt eine Alkoholproblematik nicht zwangsläufig zu einer fortlaufenden Verschlechterung. In vielen Fällen gibt es einen phasischen Verlauf, bei dem sich Trink- und Abstinenzphasen abwechseln. Einige Betroffene schaffen es sogar, ganz ohne Therapie dauerhaft abstinent zu werden oder auch wieder zu einem kontrollierten Trinken zurück zu kehren.

Anscheinend gibt es bei der Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit auch familiäre bzw. genetische Einflüsse. So haben nahe Verwandte von Alkoholabhängigen ein drei bis vier mal höheres Risiko, ebenfalls eine Alkoholproblematik zu entwickeln. Genetische Faktoren erklären allerdings nur einen Teil des Risikos einer Alkoholabhängigkeit, ein erheblicher Teil des Risikos ist auf Umwelt- und zwischenmenschliche Faktoren sowie auf individuelle, innerpsychische Mechanismen bei der Wahrnehmung und Bewertung von Problemsituationen zurück zu führen.

 
Alkohol als Folgeerkrankung

Nicht zu vernachlässigen bei der Diagnostik und der Therapieplanung sind die häufigen Fälle, in denen die Alkoholproblematik Folge einer anderen zu Grunde liegenden psychischen Störung ist. In solchen Fällen wird Alkohol von den Betroffenen zunächst eingesetzt, um die bestehenden Symptome und Beschwerden zu lindern (z. B. bei Ängsten oder Depression). Nach und nach kann sich die Alkoholabhängigkeit jedoch auch hier verselbstständigen, so dass es nicht mehr ausreichend ist, nur die zu Grunde liegende Störung zu behandeln. Allerdings ist auch nicht zu erwarten, dass durch eine Behandlung der Alkoholproblematik die ursprünglichen Beschwerden verschwinden. Im Gegenteil ist bei einer Vernachlässigung der Ursprungssymptomatik ein Rückfall in die Alkoholabhängigkeit sehr wahrscheinlich. Dies macht deutlich, dass in diesen Fällen eine kombinierte Behandlung notwendig ist, die allen bestehenden Problembereichen Rechnung trägt.
Allerdings treten psychische Störungen auch häufig als Folge einer Alkoholabhängigkeit auf, so dass eine genaue Diagnostik unverzichtbar ist.
 

 


Das familiäre

Zusammenleben

wird stark

belastet...




 

 
Belastung der Angehörigen
Eine Alkoholabhängigkeit ist in den allermeisten Fällen eine Störung, durch die das familiäre Zusammenleben stark belastet wird. Die Angehörigen sehen sich Folgeproblemen, wie Unzuverlässigkeit, emotionaler Instabilität und Unberechenbarkeit des Betroffenen, finanziellen Schwierigkeiten oder drohender bzw. tatsächlicher Arbeitslosigkeit ausgesetzt. Die Häufigkeit von psychischen Störungen bei Angehörigen von Alkoholabhängigen ist hoch. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit der Einbeziehung der wichtigsten Bezugspersonen des Betroffenen in die Behandlung.

 
Wie wirkt Alkohol im Körper

Alkohol gelangt zunächst in den Magen, wo bereits 20% der Alkoholmenge über die Magenschleimhaut aufgenommen werden. Die restlichen 80% gelangen über die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf, wo sie innerhalb weniger Minuten im ganzen Körper verteilt werden. Da Alkohol fettlöslich ist, kann er die sogenannte Blut-Hirn-Schranke überwinden und gelangt so bis ins Gehirn, wo er seine psychotrope Wirkung entfaltet. Innerhalb von fünf Minuten steigt der Alkoholspiegel des Blutes, der nach ca. 30 Minuten seinen Höhepunkt erreicht. Wird nicht weiter getrunken, sinkt er von da an durch Abbauprozesse des Körper wieder ab.

Die Abbaugeschwindigkeit von Alkohol ist individuell unterschiedlich und beträgt zwischen 0,1 und 0,2 Promille in der Stunde.

Der Abbau von Alkohol erfolgt über drei Wege:

0,5 bis 2% des Alkohols werden über die Nieren ausgeschieden.

Ungefähr 5% werden über die Lunge oder die Haut ausgeschieden. Hierdurch entsteht die bekannte ”Alkoholfahne”. Außerdem ermöglicht dieser Weg die Bestimmung des Alkoholgehaltes über die Atemluft (”Röhrchenblasen”).

Ungefähr 95% des Alkohols werden über die Leber abgebaut. Dieser Abbauprozess funktioniert über bestimmte körpereigene Enzyme. Alkohol wird chemisch zu Wasser, Fett und Kohlendioxid verarbeitet. Bei diesem ”Verbrennungsprozess” entstehen allerdings auch giftige Nebenprodukte, die für die unangenehmen Nebenwirkungen (”Kater”) verantwortlich sind.

 
Körperliche Folgeschäden

Da die größte Menge des Alkohols über die Leber abgebaut wird, liegen hier auch die größten gesundheitlichen Risiken. Bei fortgesetztem übermäßigem Alkoholkonsum erreicht die Leber die Grenzen ihrer Abbaukapazität. Es kommt zunächst zu einer sogenannten ”Fettleber”, d. h. in den Leberzellen wird Fett eingelagert. Dadurch kann sich das Volumen der Leber nahezu verdoppeln. Trinkt der Betroffene weiterhin, kann es zu einer Leberentzündung kommen, der alkoholtoxischen Hepatitis. In Folge der chronischen Leberentzündung kommt es zum Zellsterben und zu einem narbigen Umbau, der Leberzirrhose. Hieran erkranken ca. 15% aller Alkoholiker.
Durch die fortgesetzte Schädigung kann die Leber kaum noch Alkohol abbauen, der Betroffene verträgt nur noch eine geringe Menge Alkohol, was von der Umwelt häufig fälschlicherweise als Zeichen der Besserung gedeutet wird. Im Endstadium der Leberzirrhose kommt es zu einer langsamen Selbstvergiftung des Körpers, da die Leber ihre Entgiftungsfunktion nicht mehr wahrnehmen kann.

Neben Leberschäden kann übermäßiger Alkoholkonsum noch zu zahlreichen anderen körperlichen Folgeerkrankungen führen: Es kann zu Schädigungen des Gehirns kommen bis hin zum Korsakoff-Syndrom (Gedächtnis- und Orientierungsverlust), es besteht ein erhöhtes Risiko für Krebsleiden, Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüre sowie für Entzündungen der Bauchspeicheldrüse. Außerdem führt Alkohol zu einem Blutdruckanstieg, was langfristig das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöht.

 

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