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URSACHEN DER POSTTRAUMATISCHEN BELASTUNGSSTÖRUNG |
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Die Symptome, die ein Patient mit Posttraumatischer Belastungsstörung
(PTB) erlebt, sind die normale Reaktion auf eine abnormale Situation,
nämlich das traumatische Erlebnis. Um erklären zu können,
warum die Symptome bei vielen Betroffenen nicht von alleine wieder verschwinden,
spielen folgende Punkte eine wichtige Rolle:
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A
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Das Gedächtnis für das traumatische Erlebnis.
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B
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Die Art und Weise, wie der Betroffene das Erlebnis und seine
Folgen bewertet. Dies betrifft sein Denken über die Welt,
sich selbst und seine Zukunft.
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C
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Die Tendenz zur Vermeidung und Verleugnung, um die PTB-Symptome
besser in den Griff zu bekommen.
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Ungenügende
Verarbeitung im
Gedächtnis führt
zu
PTB-Symptomen...
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Warum erlebt ein PTB-Patient immer wieder intensive Angstsymptome? Wie
entsteht das schmerzhafte, ungewollte Wiedererinnern?
Die erste Frage erscheint zunächst kaum zu beantworten, denn Angst
bezieht sich normalerweise auf ein in der Zukunft befürchtetes Ereignis.
So kann ich zum Beispiel Angst davor haben, dass ein bellender Hund ohne
Leine mich gleich beißen wird. Das traumatische Ereignis, dass zur
Entwicklung der PTB, und der damit einhergehenden Gefühle von Angst
und Bedrohung geführt hat, liegt jedoch in der Vergangenheit.
Ein zweiter Widerspruch liegt darin, dass die meisten PTB-Patienten
über plötzlich auftauchende, sehr belastende Erinnerungen von
Teilen des Traumas und immer wiederkehrenden Alpträumen berichten,
gleichzeitig viele Betroffene jedoch nicht in der Lage sind, das Ereignis
willentlich in seiner Gesamtheit detailliert zu erinnern.
Die Wurzel dieser vermeintlichen Widersprüche liegt im Traumagedächtnis:
Der Betroffene war durch das traumatische Erlebnis so belastet, dass sein
Gehirn die Informationsflut nicht mehr angemessen bewältigen konnte.
Das hat dazu geführt, dass das Anlegen des Gedächtnisses für
dieses Ereignis und manchmal auch für Ereignisse kurz vorher und
kurz nachher, gestört wurde. Man kann sich dieses nicht richtig angelegte
Gedächtnis wie einen Schrank vorstellen, in den in großer Eile
viele verschiedene Teile (Gefühle, Eindrücke der 5 Sinne, Gedanken)
ohne Rücksicht auf deren Reihenfolge hineingeworfen wurden. Die Erinnerungsstücke
liegen kreuz und quer in dem Schrank, also dem Gedächtnisabschnitt,
der das Ereignis betrifft. Es ist nicht möglich die Tür sicher
zu schließen, so dass immer wieder einzelne Erinnerungsbruchstücke
herausfallen und ins Bewusstsein kommen. Die herausfallenden Erinnerungsbruchstücke
sind "heiß", nämlich verbunden mit
sehr unangenehmen Gefühlen und Körpersymptomen.
In den "Gedächtnisschränken" für andere, nicht
traumatische Ereignisse sieht es anders aus. Die verschiedenen Erinnerungen
liegen nicht drunter und drüber, sondern stehen nach ihrem zeitlichen
Ablauf geordnet hintereinander in den Regalen. Die Tür kann ohne
Probleme geschlossen werden. Keins der Erinnerungsstücke fällt
heraus. Außerdem sind die Erinnerungsstücke "abgekühlt".
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Ungünstige
Gedanken
führen zu
belastenden
Gefühlen...
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B
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Die Bewertung
des traumatischen Erlebnisses und seiner Folgen
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Wie hat das Erlebnis das Denken des Betroffenen über die Welt oder
sich selbst und seine Zukunft verändert?
Neben dem Traumagedächtnis spielen auch verschiedene Bewertungsprozesse
bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der PTB-Symptomatik eine Rolle.
Entscheidend ist dabei die Art und Weise, wie ich das traumatische Erlebnis
und seine Folgen für mich einordne. Ein Ereignis dieser Tragweite
verändert zwangsläufig die Art und Weise wie ich über mich,
über die Welt und über meine Zukunft denke. In welche Richtung
mein Denken sich verändert hat, kann wiederum entscheiden, ob und
wie sehr ich unter PTB-Symptomen leide:
Zwar häufig verständlich, aber ungünstig, weil sie die
PTB fördern, sind Gedanken wie:
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"Ich bin nirgends sicher"
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"Die Welt ist einfach unsicher und schlecht"
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"Ich bin für immer gezeichnet"
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"Irgendwie bin ich auch selber schuld"
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"Andere sehen mir an, dass ich ein leichtes Opfer bin"
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"Ich habe mich als Person zum Schlechten verändert"
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"Ich bin innerlich tot und werde mich anderen nie wieder nah
fühlen"
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"Ich werde verrückt"
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"Ich komme nie darüber hinweg"
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"Ich muss alleine damit zurecht kommen"
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"Andere denken ich bin zu schwach, um selbst damit klar zu
kommen"
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"Ich kann mich auf niemanden verlassen"
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"Meine Zukunft ist zerstört"
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Die genannten ungünstigen Gedanken sind nur wenige Beispiele für
eine Vielzahl von unterschiedlichen, häufig bei PTB auftretenden
Gedanken, die negative Gefühle wie z. B. Wut, Trauer, Angst, Scham,
Schuld oder Perspektivlosigkeit hervorrufen und so die Symptome der PTB
wiederum verstärken.
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Vermeidung
führt langfristig
zu einer Verschlim-
merung der PTB...
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C
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Versuche
des Betroffenen,
die Symptome in den Griff zu bekommen
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Einige der Strategien, um mit den unangenehmen Symptomen besser zurecht
zu kommen, erscheinen auf den ersten Blick sinnvoll und nachvollziehbar.
Eine ganze Reihe dieser Strategien führt jedoch nicht zum beabsichtigten
Erfolg, sondern im Gegenteil, zu einer Verstärkung bzw. Verfestigung
der PTB-Symptome.
Gedanken- und Erinnerungsstopp:
So führt z. B. der bewusste Versuch, Erlebnisse zu vergessen oder
Gedanken daran nicht zu denken zu dem paradoxen Effekt, dass gerade diese
Erlebnisse bzw. Gedanken immer wieder ins Bewusstsein drängen. Man
bekommt den Eindruck, die Kontrolle über seine Gedanken und Gefühle
immer mehr zu verlieren oder sogar verrückt zu werden.
Vermeidung:
Nach einer traumatischen Erfahrung hat der Betroffene häufig ein
verändertes Gefühl dafür, was sicher ist und was nicht.
Es entsteht oft das Gefühl, dass das Leben voller Gefahren ist, und
dass man nie weiß wann wieder ein Unglück passiert. Der Betroffene
reagiert auf diese Überschätzung der realen Gefahr mit besonderer
Vorsicht und vermeidet deswegen viele Situationen, die ihm früher
keine Probleme bereitet hätten, z. B. in der Dunkelheit das Haus
zu verlassen oder mit dem Auto eine Autobahn zu befahren.
Aber auch starke körperliche Erregung, unangenehme Gefühle
und belastendes Wiedererleben können zu Vermeidungsverhalten führen.
Die Betroffenen erleben diese Symptome besonders häufig, wenn sie
Situationen oder Menschen (z. B. Orte, Personen, Gespräche, bestimmte
Kleidungsstücke, Fernsehsendungen, bestimmte Geräusche und andere
Umgebungsbedingungen) begegnen, die sie an das traumatische Erlebnis erinnern.
Viele versuchen sich vor den Körpersymptomen, Gefühlen und Erinnerungen
dadurch zu schützen, dass sie die oben genannten Situationen vermeiden.
Vermeidung ist zwar ein gutes Mittel, um kurzfristig Belastung zu vermindern.
Wenn sie funktioniert, reduziert sie unangenehme Gefühle. Langfristig
trägt sie jedoch dazu bei, dass die PTB aufrecht erhalten wird. Denn
Vermeidung hindert eine Person daran herauszufinden, dass die Befürchtungen
übertrieben sind. Je häufiger Vermeidung stattfindet, desto
stärker überzeugt die Person sich davon, dass sie die vermiedenen
Situationen wirklich nicht aushalten könnte, was die Angst vor den
Situationen und damit die unangenehmen Körpersymptome und Gefühle
verstärkt.
Die Rückkehr in den Alltag und die Wiederaufnahme früherer Aktivitäten
wird so immer unwahrscheinlicher.
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© CDK CHRISTOPH-DORNIER-KLINIK GmbH, 2009
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