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Die Zusammenhänge
sind so vielfältig,
man kann nicht
von einer Ursache
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Der Teufelskreis der Bulimie
Die Zusammenhänge, die zur bulimischen Essstörung führen,
sind so vielfältig, dass man nicht von einer
Ursache sprechen kann. Die verschiedenen Faktoren münden schließlich
alle in einen gemeinsamen Prozess: Wie in einem Teufelskreis sorgen jetzt
die körperlichen und psychischen Veränderungen dafür, dass
die Angst vor dem Dicksein immer größer und deshalb das Essen
immer weiter eingeschränkt wird, und es schließlich zu Essanfällen
und Gegenmaßnahmen wie Erbrechen kommt.
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Durch das restriktive Essen entstehen Veränderungen,
die den Stoffwechsel betreffen und das Hunger-Sattheits-Gefühl
beeinträchtigen. Durch den veränderten Stoffwechsel wird weniger
Energie verbrannt, dafür mehr gespeichert. Der Körper "lechzt"
nach Nahrung, spürbar als Heißhunger, wenn die Patientin einmal
mit ausreichender Nahrung konfrontiert ist. Mit dem Hunger-Sattheits-Gefühl
fehlt aber jetzt die "natürliche" Kontrolle über das
Essen, wenn die psychische Kontrolle in einer solchen Situation einmal
nicht funktioniert. So kommt es fast zwangsläufig
zu unkontrollierbaren Essanfällen.
Die Folge: Massive Angst vor dem Dickwerden
und wiederum Einschränkung des Essverhaltens. Die körperlichen
Mangelerscheinungen werden stärker, es kommt erneut zu Heißhunger-
und Essanfällen, der Teufelskreis
schließt sich. Viele bulimische Patientinnen setzen jetzt
zusätzliche Maßnahmen wie Erbrechen, Abführmittel usw.
ein, um ihre Angst vor dem Dicksein in den Griff zu bekommen. Sie "lernen",
dass Essanfälle nicht mehr so viel Angst machen, wenn man anschließend
alles wieder erbrechen kann. Belohnungseffekte
kommen hinzu: Essanfälle bauen inneren Druck ab, sie beruhigen
und lenken von depressiven Stimmungen und äußeren Belastungen
ab. Und auch das Erbrechen erleichtert und beruhigt.
Mit der Zeit treten also die ursprünglichen Entstehungsbedingungen
in den Hintergrund. Die Bulimie entwickelt eine Eigendynamik,
weil sie sich durch ihre psychischen und körperlichen Folgen selbst
aufrecht erhält. Es ist sehr schwer, diesen Teufelskreis allein mit
Einsicht oder Willensstärke zu durchbrechen.
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Schlankheit wird für
junge Frauen
gleichgesetzt
mit
Attraktivität,
Kompetenz und
Anerkennung...
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Manche Menschen
sind aufgrund ihrer
Anlage eher für
eine
Essstörung
empfänglich...
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Risikofaktoren
Viele verschiedene Faktoren entscheiden darüber, ob ein Mensch
eine Essstörung entwickelt oder nicht. Es gibt nicht den "typischen"
Konflikt oder die "typische" Persönlichkeit, die für
die Entwicklung einer Bulimie verantwortlich ist. Auch lassen sich in
der Familie keine "typischen" Muster erkennen, die als zentrale
Ursache in Frage kämen. Für die Entstehung der Bulimia nervosa
lassen sich jedoch einige Risikofaktoren
identifizieren. Auffällig ist, dass für die Bulimie ganz ähnliche
Risiken wie für die Entstehung der Magersucht gelten:
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Schlankheitsideal
Schlankheit wird in unserer Gesellschaft, und besonders für
junge Frauen und Mädchen (zunehmend aber auch für junge
Männer), gleichgesetzt mit Schönheit, Attraktivität,
Kompetenz, Anerkennung. Das Bedürfnis, möglichst dünn
zu sein, kann auch aus dem Vergleich mit Gleichaltrigen ("wer
ist erfolgreicher?", "wer hält die Diät länger
durch?") entstehen. Manchmal sind es auch Hänseleien über
Figur und Körpergewicht, die erst dieses Bedürfnis wecken.
Wie auch immer – wenn dieses Ideal, möglichst schlank
und dünn zu sein, sehr wichtig wird, besteht ein hohes Risiko,
das eigene Essverhalten so sehr zu ändern, dass es unausweichlich
zu Mangelerscheinungen und damit zu ernsthaften Essstörungen
kommt.
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Restriktives Essen
Diäten und kontrolliertes Essen gehören fast schon zum
Alltag in unserer modernen Gesellschaft. Kaum eine Frauen- (und
seit einiger Zeit auch Männer-) Zeitschrift verzichtet auf
regelmäßige Tipps zur "schlanken" Ernährung.
Diäten jedoch sind immer restriktives Essen. Schon nach wenigen
Wochen kommt es zu erheblichen Veränderungen des Stoffwechsels
und anderer körperlicher Funktionen. Das Risiko für die
Entwicklung von Mangelerscheinungen und dauerhaften Essstörungen
steigt schon nach kurzer Zeit rapide an. Deshalb: Jede Diät
kann der Beginn einer Essstörung sein.
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Angst vor dem Dicksein
Sicher einer der mächtigsten Risikofaktoren. Die Angst vor
dem Dicksein ist eine Art aus dem Ruder gelaufenes Schlankheitsideal.
Jetzt geht es nicht mehr um ein Ideal, das angestrebt wird, sondern
um Panik vor dem Dickwerden. Alles, was dick machen könnte,
wird vermieden. Viele Lebensmittel werden zu "verbotenen"
Lebensmitteln. Schon der Gedanke an bestimmte Speisen kann diese
Angst auslösen. Kalorien werden zu wichtigen Zahlen, um die
Angst vor dem Dicksein zu beherrschen. Und damit die Angst gar nicht
erst auftritt, wird immer weniger gegessen. Auch die eigene Figur,
bestimmte "kritische" Stellen am Körper, lösen
diese Angst aus. Die Folge: Weiter restriktiv essen, weiter fasten,
oder auch Erbrechen, Sport, Abführmittel.
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Familiäre Faktoren
Ebenso wenig wie "die magersüchtige" gibt es die
typische "bulimische" Familie. Kinder aus behüteten
Familien könnten genauso an Bulimie erkranken wie Kinder aus
Familien mit vielen Konflikten. Auffällig ist jedoch auch bei
dieser Essstörung, dass viele bulimische Patientinnen aus Familien
der Mittel- und Oberschicht kommen – vielleicht liegt es daran,
dass die Bulimie eine relativ "teure" Essstörung
ist, denn die bei Essanfällen verschlungenen Lebensmittel
sind meistens nicht billig.
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Belastungen
Manchmal entsteht eine bulimische Essstörung im Zusammenhang
mit größeren Veränderungen des vertrauten Umfeldes,
oder auch in der Folge von traumatischen Erlebnissen (Verlust einer
Bezugsperson, Missbrauch oder Misshandlung), wenn die Betroffene
versucht, die so entstehenden psychischen Belastungen durch Kontrolle
des Essverhaltens wieder in den Griff zu bekommen. Für die
Bulimie scheint es nämlich typisch zu sein, dass vor allem
psychische Irritationen, z.B. Stimmungsschwankungen, depressive
Störungen, innere Unruhe, Anspannungen und Druckgefühle,
zu Auslösern für bulimisches Verhalten werden, weil diese
Irritationen sowohl durch Essanfälle wie auch durch Erbrechen
kurzfristig ausgeglichen werden können.
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Anlagefaktoren
Manche Menschen sind aufgrund ihrer Anlage eher dafür empfänglich,
eine Essstörung zu entwickeln. Diese "Verletzlichkeit"
(psychische Labilität oder Irritierbarkeit) kann Teil der Persönlichkeit
oder biologisch bedingt sein. Bei vielen bulimischen Patientinnen
ist zu Beginn der Krankheit auch eine Neigung zu leichtem Übergewicht
zu beobachten, auf die dann mit Diät und restriktivem Essen
reagiert wird.
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Vorbilder
Es mehren sich Berichte von Patientinnen, dass sie ihr bulimisches
Essverhalten durch Vorbilder in Medien, häufig auch durch Hinweise
und Tipps von Freundinnen, Schulkameradinnen gelernt haben. "Essen
soviel man will, ohne Angst vor dem Dicksein" – damit
werden gleich zwei Ideale unserer Gesellschaft erfüllt: Genießen
und Schlankheit.
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Verfügbarkeit
Um bulimisches Essverhalten zu entwickeln, müssen die Nahrungsmittel,
die für Essanfälle benötigt werden, ausreichend
und im Notfall jederzeit, verfügbar sein. Häufig sind
es hochkalorische Süßigkeiten – und die sind heute
und in unserer Gesellschaft fast überall und fast rund um die
Uhr zu besorgen.
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Tibusstrasse 7- 11, 48143 Münster, Telefon: 0251 48 10-0
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